Anfrage senden
CNC-Anfragen, Einkauf und Kosten

Welche Unterlagen braucht ein CNC-Fertiger für ein belastbares Angebot?

Diese Checkliste zeigt Konstruktion und Einkauf, welche technischen Angaben eine klare und belastbare CNC-Anfrage benötigt.

Messschieber und CNC-Bauteil auf einer technischen Zeichnung
Zeichnung, Bauteil und Messmittel bilden die Grundlage einer klaren technischen CNC-Anfrage. · Quelle: OS.MECHPLAST SRLS
In diesem Artikel

Eine CNC-Anfrage besteht nicht nur aus einer Zeichnung und einer Stückzahl. Für ein belastbares Angebot muss der Fertiger erkennen können, was gefertigt werden soll, welche Anforderungen gelten und in welchem Umfang geliefert werden soll.

Fehlen entscheidende Angaben, muss der Fertiger Annahmen treffen oder Rückfragen stellen. Dann lassen sich Preis, Fertigungsweg, Prüfaufwand und Liefertermin noch nicht sauber beurteilen.

Für die meisten CNC-Dreh- und Dreh-Frästeile werden sieben Informationsgruppen benötigt:

  1. technische Zeichnung
  2. 3D-Modell, wenn vorhanden
  3. eindeutige Werkstoffangabe
  4. Stückzahl und Bedarfsstruktur
  5. gewünschter Liefertermin
  6. Qualitäts- und Dokumentationsanforderungen
  7. eindeutiger Änderungsstand und Ansprechpartner

Nicht jede Anfrage benötigt jedes Dokument. Die Angaben müssen aber ausreichen, um das Bauteil eindeutig zu verstehen.

1. Die technische Zeichnung beschreibt die Anforderungen

Die technische Zeichnung zeigt mehr als die Form des Bauteils. Sie beschreibt die Anforderungen, die später gefertigt und geprüft werden sollen.

Eine brauchbare Zeichnung sollte mindestens enthalten:

  • vollständige Maße
  • Maßtoleranzen
  • geometrische Toleranzen, wenn funktional erforderlich
  • Bezugsflächen und Bezugselemente
  • Gewinde mit vollständiger Bezeichnung
  • Oberflächenanforderungen
  • Werkstoffangabe
  • Bauteilnummer
  • Zeichnungsrevision
  • allgemeine Hinweise wie Kantenbehandlung oder besondere Prüfmerkmale

ISO 7200 legt Datenfelder für Schriftfelder und Dokumentenköpfe technischer Produktdokumente fest. Dazu gehören Informationen, die Dokumente identifizierbar und austauschbar machen. ISO 7200:2004

Für geometrische Angaben stellt ISO 1101 die Symbolsprache und die Regeln zur Interpretation geometrischer Spezifikationen bereit. ISO 1101:2017

Häufiger Fehler

Die Zeichnung enthält enge Toleranzen an fast allen Maßen, ohne zwischen Funktionsmaßen und Nebenmaßen zu unterscheiden.

Das erschwert die Kalkulation. Enge Anforderungen können andere Werkzeuge, zusätzliche Bearbeitungsschritte oder einen höheren Prüfaufwand erfordern. Deshalb sollte eine Toleranz einen funktionalen Grund haben.

2. Das 3D-Modell ergänzt die Zeichnung

Ein 3D-Modell hilft dabei, komplexe Konturen und die vollständige Geometrie zu verstehen. Es kann auch die Vorbereitung der Arbeitsplanung unterstützen.

Für den Austausch zwischen unterschiedlichen Konstruktions- und Fertigungssystemen wird häufig STEP verwendet. Die Normenfamilie ISO 10303 beschreibt die Darstellung und den Austausch von Produktdaten zwischen Computersystemen. ISO 10303-1:2024

Das 3D-Modell ersetzt nicht automatisch alle Angaben der Zeichnung. Ein Modell kann die Form enthalten, aber wichtige Informationen können fehlen:

  • Toleranzen
  • Passungen
  • Oberflächen
  • Gewindespezifikationen
  • Prüfmerkmale
  • Werkstoff und Zustand
  • Änderungsstand

Wenn Zeichnung und 3D-Modell voneinander abweichen, muss vor der Kalkulation geklärt werden, welches Dokument gilt.

Empfehlung

Senden Sie nach Möglichkeit:

  • eine lesbare PDF-Zeichnung
  • ein STEP-Modell
  • denselben Änderungsstand in beiden Dateien

3. „Aluminium“ oder „Kunststoff“ reicht nicht

Die Werkstoffangabe muss eindeutig sein. Unterschiedliche Legierungen, Stähle oder Kunststoffe unterscheiden sich in Eigenschaften, Beschaffung und Bearbeitungsverhalten.

Eine Werkstoffangabe sollte deshalb enthalten:

  • genaue Werkstoffbezeichnung
  • zugehörige Norm oder Spezifikation, wenn erforderlich
  • Werkstoffzustand oder Wärmebehandlungszustand, wenn relevant
  • gewünschte Halbzeugform, falls sie vorgegeben ist
  • besondere Nachweise wie ein Materialzeugnis
  • Farbe oder Modifikation bei Kunststoffen, wenn funktionsrelevant

Schlechte Angabe:

Aluminium

Bessere Angabe:

genaue Legierung und Zustand nach der freigegebenen Werkstoffspezifikation

Die konkrete Bezeichnung muss zur Anwendung und zur Zeichnung passen. Der Fertiger sollte sie nicht aus einer allgemeinen Materialgruppe erraten.

4. Die Stückzahl allein beschreibt den Bedarf nicht vollständig

Für die Fertigungsplanung ist nicht nur die Gesamtmenge wichtig. Auch Losgröße und Wiederholungsbedarf beeinflussen den möglichen Fertigungsweg.

Nennen Sie deshalb:

  • Stückzahl der aktuellen Anfrage
  • Anzahl unterschiedlicher Bauteile
  • erwartete Losgröße
  • möglicher Jahresbedarf
  • einmaliger oder wiederkehrender Bedarf
  • gewünschte Abrufe oder Teillieferungen
  • Prototyp, Erstserie oder laufendes Serienteil

Beispiel:

100 Stück einmalig

ist eine andere Planungssituation als:

100 Stück pro Monat über ein Jahr

Die Bauteilgeometrie bleibt gleich. Beschaffung, Rüstung, Prüfplanung und Wiederholungsstrategie können sich trotzdem unterscheiden.

5. Der Liefertermin muss eindeutig sein

„So schnell wie möglich“ ist kein planbarer Termin.

Für die Anfrage sind diese Angaben hilfreicher:

  • gewünschtes Lieferdatum
  • vollständige Lieferung oder Teillieferung
  • Lieferort
  • Termin für Prototypen
  • geplanter Termin für die folgende Serie
  • Abhängigkeit von einer Montage oder Erprobung

Wenn der Termin noch offen ist, sollte der Anfragende das klar angeben. Dann kann der Fertiger eine realistische Liefermöglichkeit vorschlagen.

6. Prüfungen und Dokumente gehören in die Anfrage

Ein Angebot kann sich nicht nur auf die Fertigung beziehen. Auch Prüfung und Dokumentation verursachen Arbeit und müssen vorab bekannt sein.

Mögliche Anforderungen sind:

  • Materialzeugnis
  • Maßprüfbericht
  • Prüfung definierter Funktionsmaße
  • Erstmusterunterlagen
  • besondere Kennzeichnung
  • Chargen- oder Rückverfolgbarkeit
  • Verpackungsvorgaben
  • Kundenvorlagen für Prüfberichte

Fordern Sie nicht pauschal einen vollständigen Prüfbericht, wenn nur wenige Maße funktionskritisch sind. Kennzeichnen Sie die relevanten Merkmale eindeutig. So kann der Fertiger den Prüfaufwand passend bewerten.

Wichtig ist auch die Frage, wann geprüft werden soll. Bei nachgelagerten Behandlungen oder besonderen Werkstoffen kann der vereinbarte Prüfzustand eine Rolle spielen.

7. Änderungsstand und Ansprechpartner verhindern Missverständnisse

Zeichnung, 3D-Modell und Anfrage müssen zusammengehören.

Prüfen Sie vor dem Versand:

  • Haben Zeichnung und Modell dieselbe Bauteilnummer?
  • Ist die Revision eindeutig?
  • Ist erkennbar, welche Datei freigegeben ist?
  • Wurden alte Dateien aus dem Versandpaket entfernt?
  • Gibt es einen Ansprechpartner für technische Rückfragen?
  • Gibt es einen Ansprechpartner für Termin und Bestellung?

Mehrere Dateien mit Namen wie „final“, „final_neu“ und „final_neu_2“ schaffen keine eindeutige Dokumentenlage. Verwenden Sie Bauteilnummer und Revision im Dateinamen.

Beispiel:

4711_Buchse_Rev-C.pdf
4711_Buchse_Rev-C.step

Welche Angaben sind wirklich notwendig?

Die folgende Tabelle zeigt eine praktische Mindeststruktur.

Angabe Warum sie benötigt wird
PDF-Zeichnung Maße, Toleranzen, Oberflächen und technische Anforderungen
STEP-Modell räumliche Geometrie und komplexe Konturen
Werkstoff Beschaffung und Fertigungsplanung
Menge und Losgröße Kalkulation und Prozessplanung
Liefertermin Kapazitäts- und Beschaffungsplanung
Prüfanforderungen Mess- und Dokumentationsaufwand
Revision eindeutige technische Grundlage
Ansprechpartner schnelle Klärung technischer und kaufmännischer Fragen

Checkliste für Ihre nächste CNC-Anfrage

Vor dem Versand sollten Sie diese Punkte prüfen:

  • PDF-Zeichnung beigefügt
  • STEP-Modell beigefügt, wenn vorhanden
  • Zeichnung und Modell haben denselben Änderungsstand
  • Werkstoff eindeutig bezeichnet
  • Werkstoffzustand angegeben, wenn erforderlich
  • aktuelle Stückzahl genannt
  • Folge- oder Jahresbedarf genannt, wenn bekannt
  • gewünschter Liefertermin angegeben
  • kritische Maße und Oberflächen eindeutig gekennzeichnet
  • benötigte Zeugnisse und Prüfberichte genannt
  • Verpackungs- oder Kennzeichnungsvorgaben genannt
  • technische Ansprechperson angegeben

Was passiert bei einer Machbarkeitsprüfung?

Vor einem Angebot sollte geprüft werden, ob die Unterlagen eine eindeutige Bewertung erlauben. Dabei stehen unter anderem folgende Fragen im Mittelpunkt:

  • Passt die Geometrie zum vorgesehenen CNC-Verfahren?
  • Sind alle kritischen Merkmale zugänglich?
  • Sind Zeichnung und Modell widerspruchsfrei?
  • Ist der Werkstoff eindeutig verfügbar und spezifiziert?
  • Sind Toleranzen und Oberflächen prüfbar beschrieben?
  • Passen Menge, Prüfaufwand und gewünschter Termin zusammen?

Eine Machbarkeitsprüfung ersetzt nicht die Verantwortung des Konstrukteurs für die Bauteilfunktion. Sie hilft dabei, offene Fertigungsfragen vor Bestellung zu erkennen.

CNC-Drehteile bei ONCC anfragen

OS.MECHPLAST SRLS fertigt unter der Marke ONCC CNC-Drehteile und Dreh-Frästeile nach Kundenzeichnung. Der Schwerpunkt liegt auf Prototypen sowie kleinen und mittleren Serien aus Aluminium, zerspanbaren Stählen und ausgewählten technischen Kunststoffen.

Für eine erste Prüfung senden Sie uns:

  • Zeichnung
  • 3D-Modell, wenn vorhanden
  • Werkstoff
  • Stückzahl
  • gewünschten Liefertermin
  • Prüf- und Dokumentationsanforderungen

So können wir die technische Grundlage prüfen und offene Punkte gezielt klären.

Quellen

  1. ISO 7200:2004 – Datenfelder in Schriftfeldern und Dokumentenköpfen
  2. ISO 1101:2017 – Geometrische Tolerierung
  3. ISO 10303-1:2024 – Darstellung und Austausch von Produktdaten
Nächster Schritt

Technische Anfrage konkretisieren

CNC-Anfrage senden