In diesem Artikel
Eine CNC-Anfrage besteht nicht nur aus einer Zeichnung und einer Stückzahl. Für ein belastbares Angebot muss der Fertiger erkennen können, was gefertigt werden soll, welche Anforderungen gelten und in welchem Umfang geliefert werden soll.
Fehlen entscheidende Angaben, muss der Fertiger Annahmen treffen oder Rückfragen stellen. Dann lassen sich Preis, Fertigungsweg, Prüfaufwand und Liefertermin noch nicht sauber beurteilen.
Für die meisten CNC-Dreh- und Dreh-Frästeile werden sieben Informationsgruppen benötigt:
- technische Zeichnung
- 3D-Modell, wenn vorhanden
- eindeutige Werkstoffangabe
- Stückzahl und Bedarfsstruktur
- gewünschter Liefertermin
- Qualitäts- und Dokumentationsanforderungen
- eindeutiger Änderungsstand und Ansprechpartner
Nicht jede Anfrage benötigt jedes Dokument. Die Angaben müssen aber ausreichen, um das Bauteil eindeutig zu verstehen.
1. Die technische Zeichnung beschreibt die Anforderungen
Die technische Zeichnung zeigt mehr als die Form des Bauteils. Sie beschreibt die Anforderungen, die später gefertigt und geprüft werden sollen.
Eine brauchbare Zeichnung sollte mindestens enthalten:
- vollständige Maße
- Maßtoleranzen
- geometrische Toleranzen, wenn funktional erforderlich
- Bezugsflächen und Bezugselemente
- Gewinde mit vollständiger Bezeichnung
- Oberflächenanforderungen
- Werkstoffangabe
- Bauteilnummer
- Zeichnungsrevision
- allgemeine Hinweise wie Kantenbehandlung oder besondere Prüfmerkmale
ISO 7200 legt Datenfelder für Schriftfelder und Dokumentenköpfe technischer Produktdokumente fest. Dazu gehören Informationen, die Dokumente identifizierbar und austauschbar machen. ISO 7200:2004
Für geometrische Angaben stellt ISO 1101 die Symbolsprache und die Regeln zur Interpretation geometrischer Spezifikationen bereit. ISO 1101:2017
Häufiger Fehler
Die Zeichnung enthält enge Toleranzen an fast allen Maßen, ohne zwischen Funktionsmaßen und Nebenmaßen zu unterscheiden.
Das erschwert die Kalkulation. Enge Anforderungen können andere Werkzeuge, zusätzliche Bearbeitungsschritte oder einen höheren Prüfaufwand erfordern. Deshalb sollte eine Toleranz einen funktionalen Grund haben.
2. Das 3D-Modell ergänzt die Zeichnung
Ein 3D-Modell hilft dabei, komplexe Konturen und die vollständige Geometrie zu verstehen. Es kann auch die Vorbereitung der Arbeitsplanung unterstützen.
Für den Austausch zwischen unterschiedlichen Konstruktions- und Fertigungssystemen wird häufig STEP verwendet. Die Normenfamilie ISO 10303 beschreibt die Darstellung und den Austausch von Produktdaten zwischen Computersystemen. ISO 10303-1:2024
Das 3D-Modell ersetzt nicht automatisch alle Angaben der Zeichnung. Ein Modell kann die Form enthalten, aber wichtige Informationen können fehlen:
- Toleranzen
- Passungen
- Oberflächen
- Gewindespezifikationen
- Prüfmerkmale
- Werkstoff und Zustand
- Änderungsstand
Wenn Zeichnung und 3D-Modell voneinander abweichen, muss vor der Kalkulation geklärt werden, welches Dokument gilt.
Empfehlung
Senden Sie nach Möglichkeit:
- eine lesbare PDF-Zeichnung
- ein STEP-Modell
- denselben Änderungsstand in beiden Dateien
3. „Aluminium“ oder „Kunststoff“ reicht nicht
Die Werkstoffangabe muss eindeutig sein. Unterschiedliche Legierungen, Stähle oder Kunststoffe unterscheiden sich in Eigenschaften, Beschaffung und Bearbeitungsverhalten.
Eine Werkstoffangabe sollte deshalb enthalten:
- genaue Werkstoffbezeichnung
- zugehörige Norm oder Spezifikation, wenn erforderlich
- Werkstoffzustand oder Wärmebehandlungszustand, wenn relevant
- gewünschte Halbzeugform, falls sie vorgegeben ist
- besondere Nachweise wie ein Materialzeugnis
- Farbe oder Modifikation bei Kunststoffen, wenn funktionsrelevant
Schlechte Angabe:
Aluminium
Bessere Angabe:
genaue Legierung und Zustand nach der freigegebenen Werkstoffspezifikation
Die konkrete Bezeichnung muss zur Anwendung und zur Zeichnung passen. Der Fertiger sollte sie nicht aus einer allgemeinen Materialgruppe erraten.
4. Die Stückzahl allein beschreibt den Bedarf nicht vollständig
Für die Fertigungsplanung ist nicht nur die Gesamtmenge wichtig. Auch Losgröße und Wiederholungsbedarf beeinflussen den möglichen Fertigungsweg.
Nennen Sie deshalb:
- Stückzahl der aktuellen Anfrage
- Anzahl unterschiedlicher Bauteile
- erwartete Losgröße
- möglicher Jahresbedarf
- einmaliger oder wiederkehrender Bedarf
- gewünschte Abrufe oder Teillieferungen
- Prototyp, Erstserie oder laufendes Serienteil
Beispiel:
100 Stück einmalig
ist eine andere Planungssituation als:
100 Stück pro Monat über ein Jahr
Die Bauteilgeometrie bleibt gleich. Beschaffung, Rüstung, Prüfplanung und Wiederholungsstrategie können sich trotzdem unterscheiden.
5. Der Liefertermin muss eindeutig sein
„So schnell wie möglich“ ist kein planbarer Termin.
Für die Anfrage sind diese Angaben hilfreicher:
- gewünschtes Lieferdatum
- vollständige Lieferung oder Teillieferung
- Lieferort
- Termin für Prototypen
- geplanter Termin für die folgende Serie
- Abhängigkeit von einer Montage oder Erprobung
Wenn der Termin noch offen ist, sollte der Anfragende das klar angeben. Dann kann der Fertiger eine realistische Liefermöglichkeit vorschlagen.
6. Prüfungen und Dokumente gehören in die Anfrage
Ein Angebot kann sich nicht nur auf die Fertigung beziehen. Auch Prüfung und Dokumentation verursachen Arbeit und müssen vorab bekannt sein.
Mögliche Anforderungen sind:
- Materialzeugnis
- Maßprüfbericht
- Prüfung definierter Funktionsmaße
- Erstmusterunterlagen
- besondere Kennzeichnung
- Chargen- oder Rückverfolgbarkeit
- Verpackungsvorgaben
- Kundenvorlagen für Prüfberichte
Fordern Sie nicht pauschal einen vollständigen Prüfbericht, wenn nur wenige Maße funktionskritisch sind. Kennzeichnen Sie die relevanten Merkmale eindeutig. So kann der Fertiger den Prüfaufwand passend bewerten.
Wichtig ist auch die Frage, wann geprüft werden soll. Bei nachgelagerten Behandlungen oder besonderen Werkstoffen kann der vereinbarte Prüfzustand eine Rolle spielen.
7. Änderungsstand und Ansprechpartner verhindern Missverständnisse
Zeichnung, 3D-Modell und Anfrage müssen zusammengehören.
Prüfen Sie vor dem Versand:
- Haben Zeichnung und Modell dieselbe Bauteilnummer?
- Ist die Revision eindeutig?
- Ist erkennbar, welche Datei freigegeben ist?
- Wurden alte Dateien aus dem Versandpaket entfernt?
- Gibt es einen Ansprechpartner für technische Rückfragen?
- Gibt es einen Ansprechpartner für Termin und Bestellung?
Mehrere Dateien mit Namen wie „final“, „final_neu“ und „final_neu_2“ schaffen keine eindeutige Dokumentenlage. Verwenden Sie Bauteilnummer und Revision im Dateinamen.
Beispiel:
4711_Buchse_Rev-C.pdf
4711_Buchse_Rev-C.step
Welche Angaben sind wirklich notwendig?
Die folgende Tabelle zeigt eine praktische Mindeststruktur.
| Angabe | Warum sie benötigt wird |
|---|---|
| PDF-Zeichnung | Maße, Toleranzen, Oberflächen und technische Anforderungen |
| STEP-Modell | räumliche Geometrie und komplexe Konturen |
| Werkstoff | Beschaffung und Fertigungsplanung |
| Menge und Losgröße | Kalkulation und Prozessplanung |
| Liefertermin | Kapazitäts- und Beschaffungsplanung |
| Prüfanforderungen | Mess- und Dokumentationsaufwand |
| Revision | eindeutige technische Grundlage |
| Ansprechpartner | schnelle Klärung technischer und kaufmännischer Fragen |
Checkliste für Ihre nächste CNC-Anfrage
Vor dem Versand sollten Sie diese Punkte prüfen:
- PDF-Zeichnung beigefügt
- STEP-Modell beigefügt, wenn vorhanden
- Zeichnung und Modell haben denselben Änderungsstand
- Werkstoff eindeutig bezeichnet
- Werkstoffzustand angegeben, wenn erforderlich
- aktuelle Stückzahl genannt
- Folge- oder Jahresbedarf genannt, wenn bekannt
- gewünschter Liefertermin angegeben
- kritische Maße und Oberflächen eindeutig gekennzeichnet
- benötigte Zeugnisse und Prüfberichte genannt
- Verpackungs- oder Kennzeichnungsvorgaben genannt
- technische Ansprechperson angegeben
Was passiert bei einer Machbarkeitsprüfung?
Vor einem Angebot sollte geprüft werden, ob die Unterlagen eine eindeutige Bewertung erlauben. Dabei stehen unter anderem folgende Fragen im Mittelpunkt:
- Passt die Geometrie zum vorgesehenen CNC-Verfahren?
- Sind alle kritischen Merkmale zugänglich?
- Sind Zeichnung und Modell widerspruchsfrei?
- Ist der Werkstoff eindeutig verfügbar und spezifiziert?
- Sind Toleranzen und Oberflächen prüfbar beschrieben?
- Passen Menge, Prüfaufwand und gewünschter Termin zusammen?
Eine Machbarkeitsprüfung ersetzt nicht die Verantwortung des Konstrukteurs für die Bauteilfunktion. Sie hilft dabei, offene Fertigungsfragen vor Bestellung zu erkennen.
CNC-Drehteile bei ONCC anfragen
OS.MECHPLAST SRLS fertigt unter der Marke ONCC CNC-Drehteile und Dreh-Frästeile nach Kundenzeichnung. Der Schwerpunkt liegt auf Prototypen sowie kleinen und mittleren Serien aus Aluminium, zerspanbaren Stählen und ausgewählten technischen Kunststoffen.
Für eine erste Prüfung senden Sie uns:
- Zeichnung
- 3D-Modell, wenn vorhanden
- Werkstoff
- Stückzahl
- gewünschten Liefertermin
- Prüf- und Dokumentationsanforderungen
So können wir die technische Grundlage prüfen und offene Punkte gezielt klären.
